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St. Tikhon's Orthodox University
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582 10 2013 , 29 2014 . 785

University news
Wirtschaft und Orthodoxie
Wirtschaftsstudium vom Standpunkt der Orthodoxie, Berufsperspektiven der Absolventenvon theologischen Hochschulen und Rolle des Sports im geistigen Leben der Menschen-darüber unterhalten wir uns mit Alexander Scholochow, leitendem Pädagogen amLehrstuhl für Wirtschaft der Orthodoxen geisteswissenschaftlichen Universität des Hl.Tichons in Moskau, promoviertem Sportler und Nachfolger des berühmten Schriftstellers,des Verfassers von Tichij Don.

- Wieso fiel Ihre Berufswahl auf Ökonom? 

- Bereits in der Schule merkte ich, dass Mathematik mir besonders leicht fällt. Damals hatten

wir noch keine Einheitlichen Staatsprüfungen und so gegen Ende der Schulzeit musste mansich für bestimmte Uni-Vorbereitungskurse entscheiden. Ich bat meinen Beichtvater, AbtWarnawa aus dem Sosima-Einödkloster zu Smolensk um Rat und er gab mir sein Segen, dieAufnahmeprüfungen für Wirtschaftsfakultät der Russischen Orthodoxen Universität des Hl.Apostels Johannes (im Jahr 2016 in Moskauer Orthodoxe Universität des Apostels Johannesumbenannt) abzulegen. Ich folgte seinem Rat und absolvierte die Universität nach 5 JahrenStudium mit Bestnoten. Meine Diplomarbeit widmete ich innovativerWirtschaftsentwicklung Russlands und erhielt danach das Angebot, dasPostgraduiertenstudium an der Moskauer öffentlichen Sozialakademie zu absolvieren. Jetztbereite ich mich auf Verteidigung meiner Doktorarbeit vor - danach wird mir der TitelKandidat der wirtschaftlichen Sicherheit der Unternehmen zuerkannt.Eine Zeit lang arbeitete ich in meinem erlernten Beruf. Aber ehrlich gesagt, liegt mirBüroarbeit nicht besonders. Kurz danach hat mir mein wissenschaftlicher Betreuer-der Leiterdes Lehrstuhls für Wirtschaft an der Russischen Orthodoxen Universität vorgeschlagen, michdort als Lehrer zu bewerben. Später wechselte ich zur Orthodoxen geisteswissenschaftlichenUniversität des Hl. Tichons und bin seitdem hier am Lehrstuhl für Wirtschaft als leitendeLehrperson tätig.

- Was unterrichten Sie genau? 

- Ich unterrichte mehrere Fächer: Steuern und Besteuerung, staatliche

Wirtschaftsregulierung, Unternehmensfinanzen, Wirtschaftsanalyse.

- Gibt es denn bei den Lehr-und Lernprozessen irgendwelche Besonderheiten, die auf

 religiöse/theologische Aspekte zurückzuführen sind?

 - Aber sicher. Wir bemühen uns darum, bei den Bildungsprozessen religiöse Standpunkte zubeachten. Ich denke, diese Tradition ist nicht neu, sie existiert vermutlich bereits seit derLomonosow-Zeit. In unserem Lehrplan sind solche Disziplinen wie Geistliche und moralischeWirtschaft, Orthodoxe Ethik der Unternehmensführung vorhanden.Unterrichtung der Wirtschaftswissenschaften aus religiöser Sicht - dieHerausforderungen im religiös gestalteten Wirtschaftsunterricht. 

- Mit welchen Hauptproblemen haben Sie beim Unterrichten der Wirtschaftsdisziplinen

mit religiöser Ausrichtung zu kämpfen?

- Das Hauptproblem besteht darin, dass nach der Zerfall der Sowjetunion in Russland eingeistiges Vakuum entstanden ist. Die Kirche hat, meiner Meinung nach, ihre nach 1917verlorenen Positionen noch nicht zurückerobert. Und dabei geht es nicht so sehr umTheologie selbst, sondern um moralische Grundsätze, die im Christentum eine zentrale Rollespielen. Wenn ich die heutige Gesellschaft in unserem Land sehe, wo jeder (unabhängig vonseiner sozialen Schicht) darauf bedacht ist, aus x-beliebiger Situation nur eigene Profite zuziehen, wenn nur Gier und maximale Einnahmen zählen und moralische und ethischeGrundsätze (und sogar gesetzliche Vorschriften!) dabei auf der Strecke bleiben, ziehe ichdaraus eine sehr traurige Bilanz.An unserer Universität versuchen wir den Studenten andere, dem Egoismusentgegengesetzte Werte beizubringen: Altruismus, Kollektivismus, Gemeinschaft, so zusagen. Wirtschaft und Theologie stellen verschiedene Bildungsrichtungen dar, aber wasmoralische Prinzipien angeht, haben sie doch einige Berührungspunkte.

 - Im berühmten Werk von N. Mitrochin über Russische Kirche gibt es ein Kapitel über

 Kirchenwirtschaft, wo der Autor die Meinung äußert, dieses Bereich sei ganz wenig

 erforscht. Haben wir überhaupt Spezialisten auf diesem Gebiet?

 - In unserem Lehrplan haben wir einige Disziplinen zu diesem Thema: z.B. Finanz-wirtschaftliche Tätigkeit der Russischen Orthodoxen Kirche, Finanzen der RussischenOrthodoxen Kirche, Klöster der Russischen Orthodoxen Kirche als Wirtschaftssubjekte.Diese Disziplinen werden vom Vater Jewgenij Guschin, stellvertretenden Vorsitzenden derfinanz-wirtschaftlichen Verwaltung der Russischen Orthodoxen Kirche unterrichtet, der sichauf diesem Gebiet wie niemand anders auskennt.

Rechtsgläubige studierte Wirtschaftswissenschaftler haben keine Probleme mit dem 

Einstieg ins Berufsleben.

- Welche Berufsperspektiven haben die Absolventen theologischer Hochschulen? 

- Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass solche Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt

sind. Der größte Teil unserer Absolventen bewirbt sich bei weltlichen Unternehmen. DieArbeitgeber haben großes Interesse an Spezialisten, die sowohl Fachwissen als auch Glaubemitbringen. Soweit ich beurteilen kann, sind für die Arbeitgeber nicht primär dietheologischen Aspekt, sondern die moralischen Grundsätze der Ausbildung wichtig- dieAbsolventen theologischer Hochschulen gelten als ehrliche, aufrichtige Menschen.

- Warum ist es für die Arbeitgeber so wichtig? Sind sie denn selber gläubig?

- Beim weiten nicht alle. Ich glaube, dass sie in ihrem Arbeitsalltag vielmehr mit bestimmten

Problemen wie z.B. Amtsmissbrauch oder zweifelhaften Machenschaften konfrontiertwerden, weil die Tätigkeit ihrer Arbeitnehmer unmittelbar mit Finanzen und materiellenMitteln verbunden ist.

-Wollen Sie damit sagen, dass die Arbeitgeber mit Absicht gläubige Mitarbeiter,

Wirtschaftswissenschaftler mit religiöser Ausbildung in der Hoffnung anstellen, dass diese

 die anvertrauten Mittel nicht entwenden würden?

- Ja, sie suchen ehrliches und pflichtbewusstes Personal. Mitarbeiter, die über feste

moralische Prinzipien und Idealen verfügen, sind heute in Russland sehr rar.

- Sie haben gesagt, dass Absolventen der Orthodoxen Universität des Hl. Tichons

problemlos eine Stelle finden. Unsere Studenten diskutieren in sozialen Netzen darüber,

was sie am meisten bewegt: wo können wir uns bewerben? Besprechen Sie solche

Themen auch mit Ihren Studenten?

- Unbedingt. Ichstudierte ja selbst an einer theologischen Hochschule und habe mir damals

die gleichen Gedanken gemacht. Nach Studienabschluss machte ich mir Sorgen um meineZukunft. Aber ich fand problemlos eine Stelle auf meinem Fachgebiet. Am Anfang arbeiteteich als Ökonom bei einem weltlichen Unternehmen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dassgute Spezialisten keine Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben. Studierte Ökonomen und Hochschulabsolventen mit anderen populären Berufen machensich große Sorgen weil jedes Jahr neue Absolventen dazukommen und die Konkurrenzlageauf dem Arbeitsmarkt verschärft wird. Aber die Erfahrung zeigt, dass es trotz der großenAnzahl studierter Ökonomen schwierig ist, wirklich gute Spezialisten zu finden. In einemVorstellungsgespräch kann man die Kandidaten sehr gut beurteilen.Um meine Abiturienten mache ich mir keine Sorgen. Ich unterrichte hier bereits seit 6 Jahrenund sehe, dass unsere Studenten nach dem Studium den Schritt ins Berufsleben problemlosschaffen. Wenigstens ist das auf unserem Lehrstuhl zu, ich rede hier nicht von der gesamtenUniversität. Wir haben Absolventen, die in weltlichen Organisationen als Finanzberater undWirtschaftler arbeiten. Es gibt aber auch solche, die bei der finanzwirtschaftlichen Abteilungder Russischen Orthodoxen Kirche, in den Gemeinden beschäftigt sind.

- Es ist ein weit verbreitetes Glaube, dass man bei kirchlichen Einrichtungen viel schlechter

entlohn wird, als dies in den gleichen Positionen bei weltlichen Unternehmen der Fall ist.

Wie war es bei Ihnen? Ist Ihr Lohn nach dem Wechsel in eine kirchliche Organisation höher

oder tiefer geworden?

- In den kirchlichen Organisationen bezahlt man wirklich weniger, das ist schon seit Langem

bekannt. Viele meiner Kollegen sind dort beschäftigt und sie bestätigen diese Tatsache. Ich belege keine leitende Position bei der Russischen Orthodoxen Kirche und weiss dahernicht, warum dort die Löhne so tief sind, ich kann es als Gegebenheit nur zur Kenntnisnehmen. Um die Ursachen herauszufinden, muss man sich über die Finanzierungsquellender Kirche im Klaren sein. Und das sind zum größten Teil nur Spenden. Die Wirtschaftslageist momentan nicht stabil, die Finanzierungsbeiträge werden überall gekürzt. Große Firmengeben weniger für Wohltätigkeit, u.a. für die Kirche aus.

 


 

Aufgezeichnet von Alexander Fillipow

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