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Der 2. Tag der italienischen Woche: Soziologen, Kunsthistoriker und Philologen treffen sich




















Auch der zweite Tag der italienischen Woche brachte viele Ereignisse: Im Hauptgebäude der OGSTU hielt Prof. Giovanna Rossi den Vortrag die Familie als Ressource der Gesellschaft, es versammelten sich Kunsthistoriker zum Runden Tisch unter dem Motto der Begriff geheiligt in der christlichen Kunst des Westens und des Ostens, und Prof. Mariateresa Girardi erzählte vom wechselvollen Schicksal von Clemente Rèbora.

Das Thema die Familie als Ressource der Gesellschaft erhält eine besondere Brisanz durch den Konflikt zwischen den Befürwortern der natürlichen, oder auch nuklearen, Familie und ihren Gegnern, die die Meinung vertreten, dass sie hinderlich für die Entwicklung sozialer Bindungen hinderlich sei. Nach einer Betrachtung dieses aktuellen Konfliktes in der europäischen Gesellschaft kam Prof. Rossi zum Schluss, dass die Familie als soziales Institut einzigartig sei und ihre Funktion von keiner anderen gesellschaftlichen Einheit übernommen werden könne. Dabei stützte sich Prof. Rossi auf soziologische Umfragen in Italien, Spanien, USA, Polen, Brasilien und Argentina, bei denen Personen zu den Vorzügen der Familie, den Familienbanden und ihrem wirtschaftlichen Potenzial befragt wurden. Sie verwies auf die Unterschiede in der Bewertung von Europäern und Amerikanern und auf einige soziologische Paradoxien.

Auf die Anschuldigungen, die Familie trüge nicht zum Allgemeinwohl bei, wendete Prof. Rossi ein, dass die Familie an sich nicht nur ein privates, sondern auch ein soziales Objekt sei, das nicht nur dem Individuum, sondern auch der ganzen Gesellschaft Nutzen bringe.

Die Kunsthistoriker aus Italien und Russland trafen sich am Runden Tisch der Begriff geheiligt in der christlichen Kunst des Westens und des Ostens.

Prof. Marco Rossi, UCSC, trug zum Thema Polemik um das geheiligte Bild: der Gegensatz zwischen Gregor dem Großen und den Ikonoklasten. Der Papst, der als Kirchenvater verehrt wird, trug mit seinen Schriften entscheidend zur Positionierung der westlichen Kirche gegenüber dem Ikonoklasmus. Dank ihm unterbrach im Westen die Verehrung der Bildnisse Jesu, Mariä und anderer Heiliger nicht, während im Osten die bilderfeindlichen Kaiser Verfolgungen gegen bildtreue Untertanen initiierten.

Prof. Alessandro Rovetta erzählte über die Architektur nach dem Konzil von Trient, an dem die katholische Kirche Stellung gegen die protestantischen Forderungen einnahm, die Ausgaben für kirchlichen Schmuck und Künstler einzuschränken. Die katholischen Theologen des 16. Jahrhunderts sahen Bildnisse als Mittel, mithilfe derer der Geist zur geistigen Schauung des Unsichtbaren emporschweben kann. Als Resultat des Trientischen Konzils erblickte eine neue europäische Kunstrichtung das Licht der Welt das prächtige und formenreiche, glanzvolle und ausdrucksstarke Barock.

Von der OGSTU nahmen unter anderem Jekaterina Scheko, Lehrstuhlleiterin für Ikonenmalerei, Nina Sekatschowa, Lehrstuhl für Theorie und Geschichte der christlichen Kunst, und Natalia Waganowa, Lehrstuhl für Philosophie, teil. Sekatschowa verglich in ihrem Vortrag die Darstellung Jesu in den Bildnissen russischer Künstler des 19. Jahrhunderts die künstlerische Suche von Alexander Iwanow und Nikolaj Ge. Ersterer bewahrte trotz einiger Neuerungen das klassische Verständnis von Form und Darstellung, während Letzterer für seine Zeit revolutionär war und heftige Diskussionen in der russischen Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts verursachte.

Waganowa referierte darüber, wie Pawel Florenskij im Kontext der Moderne die Bilder und Symbole des Geheiligten transformierte, wobei er zweifellos interessante, jedoch strittige Ideen entwickele, die nicht nur in der Kirche, sondern auch im weltliche Diskurs auf Kontroversen stoße.

Scheko behandelte die kirchliche Kunst und Architektur nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und zeigte die Transformationen der katholischen Kirchenarchitektur seit dem Trientischen Konzil bis heute und ihre Ursachen. Das Bestreben des Vatikanischen Konzils II, die Kirche für die Welt zu öffnen, habe zeitgenössische Künstler und Architekten zur Gestaltung von Kirchen angezogen, aber auch die Gestalt der Kirche verändert, und das nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich, in den Grundfesten des christlichen Glaubens. Auch in der orthodoxen Kunsttradition träten, bedingt durch den Einfluss russischer Reformatoren, Veränderungen ein. Schekos Vortrag regte eine Diskussion zwischen orthodoxen und katholischen Teilnehmern an. Prof. Rovetta äußerte sich gegen aktuelle, extrem-modernistische, nicht-christlich inspirierte Kirchenbauprojekte in Rom, unterstützte jedoch Borrominis Idee, den Altarraum für die Gemeinde zu öffnen.

Erzpriester Georgij Orechanow führte die Meinung des Bischofs Ignatij Brjantschaninow an, der seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen steten Verlust des christlichen Geistes sah. Diese Transformation werde in unserer Zeit immer mehr offenbar. Der zweite Tag der Italienischen Woche fand seinen Abschluss mit dem Vortrag von Prof. Mariateresa Girardi: Zwischen Wort und Schweigen. Das poetische Schaffen Clemente Rèboras in den Jahren des 1. Weltkriegs. Der mailändische Dichter (1885-1957) war einer der wichtigsten Erneuerer der italienischen poetischen Sprache des 20. Jahrhunderts. Auch russische Schriftsteller wie Gogol und Tolstoi, die er 1919-1922 übersetzte, beeinflussten sein Werk.

Rèbora fand seinen Weg vom Atheismus zum tiefen Glauben und nahm die Priesterweihe an. Auch in seiner Auffassung von Krieg, den er zu Beginn als Möglichkeit zur moralischen Reinigung betrachtete und später in grotesken Bildern völlig ablehnte, änderte er sich grundlegend. Persönlich erlebte er das Kriegsgeschehen auf tragischer Weise: als Fußsoldat, als Schwerverletzter und in Psychiatrien.

Mit der Umkehr zur Religion starb in Rèbora die alte Person und erwachte zum neuen Leben. Seine Memoiren erinnern in ihrer Form den Confessiones des hl. Augustins. Auch wenn er viele seiner Werke eigenhändig zerstörte, sind religiöse Gedichte aus seiner späten Schaffenszeit erhalten, die sich in ihrer Bildersprache erheblich von seinen frühen Jahren unterscheiden. Das Schaffen Clemente Rèboras legt Zeugnis ab von einer großen geistlichen und moralischen Anstrengung, der ein demutsvolles Schweigen folgt, - bedingt durch seine Bekehrung zum christlichen Glauben, der allein seine Sehnsucht nach absoluter Wahrheit stillen konnte.

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