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Der vierte Tag der Italienischen Woche: Philosophie und Sprache
Am 1. Juni 2017 hielt Prof. Adriano Dell´Asta seinen Vortrag: Erziehung und Realität. Ist Erziehung in der virtuellen Welt möglich?. Am russisch-italienischen wissenschaftlichen Seminar wurde der Gebrauch von nationalen Textkorpora der russischen und italienischen Sprachen erörtert. Zum Schluss brachte das barocke Ensemble Goldene Ära wenig bekannte Werke berühmter italienischer Komponisten zum Klingen.

Im oben genannten Vortrag stellte Prof. Dell´Asta die These auf, dass die Wissenschaft den Menschen radikal von der Natur und der Geschichte entfremdet hat. Nach der Quantenphysik und ihrem Prinzip der Unbestimmtheit ist dem Menschen nur die Idee geblieben, dass es außerhalb unseres mentalen Bewusstseins keine Natur existiert. Wenn dies stimme, dann löst sich die Wirklichkeit in unseren Denkprozessen auf, und der Mensch hat es nicht mehr mit ihr, sondern mit der virtuellen Realität zu tun. Die heutige Revolution in der Mentalität sei jedoch nicht dabei stehengeblieben. Paradoxerweise verschwänden Menschen und Realität aus der Welt, die sie lenken wollten, und es herrsche der abstrakte Verstand. Diesem könne man die Idee einer anderen Persönlichkeit entgegenstellen, und im engeren Sinne, den persönlichen Gott. Doch habe die Wissenschaft die Idee Gottes der Vergessenheit anheimgegeben.

Die Realität existiert nicht mehr es gibt nur unsere Ideen, und in einem solchen Paradigma werde Gott zu einer Idee von Gott. Gott, der auf das Niveau einer üblichen Idee herabgestuft worden sei, werde für das reale Leben zu einer unnützen Idee, die von realen sozialen Problemen ablenke, und, wie Marx sage, zum Opium für das Volk. Dies sei das Fundament des heutigen Atheismus. Opfer einer solchen Vorstellung werde aber nicht Gott, sondern der Mensch, und zwar nicht nur der religiöse. Der Ausweg aus dieser Sackgasse sei eine richtige Erziehung, die zur Teilhabe nicht nur an abstrakten Begriffen, sondern auch am Leben selbst verhelfe, in der sich auch Christus befinde. Dank Christus, durch den sich die Wahrheit als ein Mensch offenbart hat - und nicht etwa als ein abstrakter Begriff - wird Erziehung wieder möglich, schloss Prof. Dell´Asta seinen Vortrag ab.

Die Philologen trafen sich zum Seminar Paralleles russisch-italienisches Textkorpus und der Fall des Gogol´schen Mantels: Beispiele aus Übersetzungen vom Russischen ins Italienische, unter diesen auch die Professorinnen Anna Bonola und Maurizia Calusio. Am Seminar wurde das Potenzial des russisch-italienischen Textkorpus´ vorgestellt, das parallel zum Nationalen Textkorpus der russischen Sprache aufgebaut ist. Das Material für die sprachlichen Parallelen und Entsprechungen wurden aus der Übersetzungsgeschichte von Gogols Mantel ins Italienische entnommen.

Prof. Bonola erklärte die Funktionsweise des russisch-italienischen Teils des Korpus´. Das Nationale Korpus der russischen Sprache ist ein informatives System, das auf einer Sammlung grundlegender russischsprachiger Texte in elektronischer Form basiert. Dank dieser soll der Nutzer anhand einer großen Textauswahl die Funktion eines bestimmten Wortes in seinem sprachlichen Kontext untersuchen können.

Das Korpus umfasst mehr als 600 Millionen Wörter, im russisch-italienischen Teil sind bereits über 4 Millionen Worteinheiten eingetragen, was das Minimum eines anständigen Korpus´ ist, wie die Professorin sagt. Es beruht auf Übersetzungen in beide Richtungen, die Themen von klassischer Literatur bis zur Publizistik abdecken. Anhand von Beispielen zeigte sie die Möglichkeiten des Textkorpus´. So ergibt das Wort plötzlich über ein Dutzend Eintragungen im Italienischen: auntratto, dicolpo, subito etc. Während der zweiten Hälfte des Seminars zeigte Prof. Caluso, die aus dem Italienischen ins Russische übersetzt, anhand konkreter Beispiele ihre Übersetzungsarbeit mithilfe des Textkorpus´.

Am Abend fand im Konzilsaal des Hauptgebäudes das Konzert Musikalische Schätze Neapels und Venedigs statt. Für die Besucher, die sich im einzigartigen Saal versammelten, erklangen barocke italienische Musikstücke von Antonio Vivaldi, Giovanni Battista Sammartini und Tomas Albinoni, interpretiert vom Ensemble Goldene Ära. Üblicherweise leitet es Alexander Listratow, doch dieses Mal dirigierte Fabio Pirola, ein italienischer Gast.

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