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Die italienische Woche: das Finale
Am 2. Juni 2017 stellte Professor Adriano Dell´Asta, Mailänder Universität (UCSC) seinen Vortrag Die Idee der Wahrheit als geistliche Erfahrung bei Semjon Frank vor.

 Semjon Frank (1877 1950) ist ein russischer Religionsphilosoph, der in allen Bereichen der Philosophie seine Spuren hinterlassen hat: in der Anthologie, Gnoseologie, Ethik und sogar Ästhetik. Sein besonderes Engagement galt dem Kampf gegen zwei Gefahren Russlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem Terrorismus und dem Marxismus. So beinhaltete sein erstes erschienene Werk Wertetheorie Marx´ eine Kritik an diesem. Frank wertschätzte die politische Freiheit, doch dürfe für sie kein Menschenleben geopfert ab. Frank war ein strikter Gegner von politischer Gewalt.

Die soziale Philosophie Franks beinhaltet zwei Prinzipien: Solidarität und persönliche Freiheit. Der Mensch dürfe nicht seiner Freiheit beraubt werden, da er sonst nicht schöpferisch sein könne. Das utopische Projekt des Kommunismus lasse sich nicht über die Idee absoluter, fesseloser Freiheit überwinden, sondern über die persönliche Erfahrung der Freiheit.

 Zwangsarbeit zerstöre den Menschen, feies Arbeiten jedoch, oder organisches Schaffen, wie Frank sagt, sei sowohl von Muße, als auch von Sklaverei frei. Durch ihn werde der Mensch zum erschaffenen Schöpfer, der nicht seinen eigenen, sondern Gottes Willen tue, indem er sage: Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden und so seine höhere Berufung wahrnehme.

 Der Moderator der Diskussionsrunde, Konstantin M. Antonow, Lehrstuhlleiter für Religionsphilosophie und religiöse Aspekte der Kultur OGSTU, hob hervor, dass Prof. Dell´Asta den Zusammenhang der politischen Philosophie und der Ontologie bei Frank deutlich gemacht habe, die, obwohl nicht voneinander getrennt denkbar, oft separat betrachtet würden.

 Am fünften Tag der Italienischen Woche fand auch der Runde Tisch Bedeutung und Rolle der christlichen Universität in der heutigen Welt statt, dessen Teilnehmer Aktivitäten und Probleme christlicher Universitäten besprachen. Es nahmen u.a. Prof Mario Gatti, UCSC, W.A. Schmeljow, Prorektor für Innovation PSTGU, und I.W. Pavljutkin, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Laboratorium Religionssoziologie PSTGU, teil.

 Schmeljows sieht in allein schon die Existenz einer christlichen Universität eine Herausforderung für die russische Gesellschaft, und der Umstand, dass ihre gegenwärtige Rolle von Experten diskutiert werde, sei bereits ein Fortschritt im russischen Bildungssystem.

 Im Verlauf der Diskussion merkte Pawljutkin an, dass sich weltweit in den letzten 25 Jahren die Zahl der christlichen Universitäten vergrößert habe. Man beobachte eine hohe Wachstumsrate, besonders in Asien und Afrika. Aber auch in Amerika und Europa seien insgesamt mehr als 150 christliche Hochschulen und Colleges entstanden.

Prof. Gatti verortete den Sinn einer christlichen Universität in der Freude, die Wahrheit innezuhaben, wie es der hl. Augustin sagt.

Antonow führte an, dass zwischen den zwei Elementen der Selbstidentifizierung einer christlichen Universität unweigerlich eine Spannung entstehe, die einen Säkularisierungsprozess hervorrufe, aber auch - einen achtsamen Umgang vorausgesetzt - die Grundlage für eine kreative Entspannung der Situation liefere. Darin liege auch die soziale Hauptaufgabe einer christlichen Universität, nämlich die Konflikte zwischen den verschiedensten Formen des Fundamentalismus vom religiösen bis zum atheistischen zu entschärfen.

 Die OGSTU wird nur dann einen Beitrag zur Wahrung der religiösen Identität leisten können, wenn sie bei der Förderung einer gebildeten und aktiven christlich-orthodoxen Gesellschaft mitwirkt, fasste Schmeljow die Diskussionrunde zusammen.

Der feierliche Abschluss der Italienischen Woche fand im Konzilsaal statt. Es trat Anatolij Kanajew, der am Studentenaustausch teilgenommen hatte, mit einigen klassischen Stücken am Klavier auf.

 Nach dem Konzert dankte Olga Strada, Direktorin des Italienischen Kulturinstituts in Moskau, den Gastgebern für die ausgezeichnete Organisation und das interessante Programm: Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr unsere fruchtbare Zusammenarbeit weiterführen werden. Der Erfahrungsaustausch ist sehr wichtig, um den richtigen Weg, die goldene Mitte zu finden, die es erlaubt, die Zusammenarbeit in allen Bereichen zu verbessern. Ich finde, dass unsere gemeinsame Zukunft nur auf einem Dialog zwischen uns gebaut werden kann.

Zehn Jahre Zusammenarbeit das ist eine lange Zeit, aber niemand musste uns dazu zwingen. Sie fand ganz organisch statt. Ich glaube, dass alle, die in diesen zehn Jahren mitgewirkt haben, Großes geleistet haben. Sie haben wunderbare Beziehungen geschaffen, die eine Fortführung der gemeinsamen Arbeit zwischen Dozenten und Studenten ermöglichen wird, äußerte sich Prof. Gatti.

Ich meine, dass die Bedeutung dieser Zusammenarbeit viel weiter ist, als wir es uns vorstellen, und weit über den Rahmen unserer Wahrnehmung hinausgeht. Das alles wird erst nach vielen Jahren klar werden, fuhr Prof. Gatti fort. Ich bin mir sicher, dass auch in Zukunft sich unserer Zusammenarbeit genauso rasch entwickeln wird.

 Schmeljow dankte allen, die die Italienische Woche ermöglicht hatten. Besonders möchte ich dem Italienischen Kulturinstitut in Moskau danken, der diese Initiative unterstützt und uns etwa bei der Übersetzung der Vorträge und Diskussionen geholfen hat, hob er hervor. Und selbstverständlich danke ich unseren Kollegen von der Mailänder Universität allen fünfzehn Professoren, die an den Veranstaltungen dieser Woche teilgenommen haben.








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