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Scheko: Hauptinstrument der Revolutionspropaganda war Kunst
Im Hauptgebäude der OGSTU hatten die Zuhörer die Gelegenheit, den Vortrag der Leuchtturm der Revolutionen und der Revolution in der Kunst von Jekaterina D. Scheko, der Lehrstuhlleiterin für Ikonenmalerei OGSTU, zu hören. Sie ist Mitglied des Expertenrates für Kirchenkunst des Moskauer Patriarchats und ist wissenschaftliche Leiterin im Bereich Ikonographie der ostkirchlichen Kunst an der OGSTU.

Die Revolutionen in Frankreich (1789-1792) und Russlands (1917) führten zu einer Transformation der sozialen und politischen Gefüge, zur Abschaffung der Monarchie und zur Ausrufung einer neuen Ordnung. Eine der Zielscheiben des revolutionären Kampfes war in beiden Ländern die Kirche. Die Dechristianisierungs-Kampagne, die von französischen Revolutionären am Ende des 18. Jahrhundert unternommen wurde, fand ihren logischen Abschluss in Russland 1917. Hierbei diente als wichtigstes Propagandawerkzeug in beiden Ländern die Kunst, und der wichtigste Angriffspunkt die kirchliche Kunst.

Die religiöse Kirchenkunst ist eine unvoreingenommene Zeugin, und ihre Veränderung über das 19.-20. Jahrhundert veranschaulicht die Tiefenprozesse bei der Zerstörung der Grundsäulen und Glaubenstraditionen, was schließlich im 21. Jahrhundert zur Ideologie des Transhumanismus geführt hat, hob die Wissenschaftlerin hervor.

Aus ihrem Standpunkt begann die Französische Revolution mit der Zerstörung von Gegenständen der bildenden Kunst, die mit der herrschenden Klasse, d.h. der weltlichen und religiösen Aristokratie, zusammenhing. Es fielen Altäre, sakrale Darstellungen und Kirchen zum Opfer, - als erste die St-Denis-Kathedrale, wo die französischen Könige beigesetzt wurden.

Doch der Revolution war es damit nicht genug. Die Massen fanden Gefallen am Vandalismus, und die Menschen begannen alle Darstellungen von Gesichtern an Kirchen zu demolieren. Dies waren nicht nur Könige, sondern auch Heilige, die in großer Zahl die romanischen und gotischen Kathedralen in ganz Frankreich schmückten. Die heutigen Skulpturen, die wir heute z.B. an der Notre Dame in Paris bestaunen können, sind Rekonstruktionen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, fuhr Scheko fort.

Erst Frankreich, dann auch in Russland schlossen und zerstörten die Revolutionäre ganze Kirchen, verunglimpften Heiligtümer und zwangen Pastoren zur Ablegung ihrer Priesterwürde. Das Christentum wurde als ´versteinerte Ideologie aus dem Mittelalter´ und ´Hemmschuh für den Progress´ gebrandmarkt. Dank der Zerstörung von Artefakten, den Zeugnissen aus der Vergangenheit, konnte man die Geschichte neu schreiben und neue Kulte einführen: in Frankreich den Kult des ´Verstandes´ und in Russland die ´Avantgarde´, verglich Scheko die Ereignisse der beiden Länder.

Um die Trennung von den überkommenen, realistischen Darstellungstraditionen zu vollführen, wurden neue Ausdrucksformen gesucht, die die formale Struktur von allgemein bekannten und für das Volk bedeutungsvolle Kunstobjekte übernehmen sollten. Dieser Begriffsaustausch fand vorallem in der religiösen Sphäre statt, in der übliche christliche Formen mit antiklerikalen Inhalten gefüllt wurden, merkte die Lehrstuhlleiterin für Ikonenmalerei an.

In Frankreich wurde der Versuch unternommen, statt den Katholizismus eine neue Religion, die Theophilanthropie, einzuführen. Viele Kirchen, allen voran die Notre Dame de Paris, wurden ihrer Altäre und Heiligenstatuen beraubt und der ´Göttin des Verstandes´ geweiht, der man mit denselben Zeremonien Verehrung entgegenbrachte, wie vorher der Gottesmutter. Diese wurde allerdings von einem leichten Mädchen aus der Oper ersetzt.

Die närrischen, pseudoreligiösen Prozessionen wurden mit denselben Attributen ausgestattet, wie es in den christlichen Praktiken üblich war mit ´Bannern´, ´Ikonen´, ´Reliquien´ usw. Der Verstandeskult wurde dem einfachen Volk zwar nur zwei Jahre lang aufgezwungen, doch hinterließ er mittelbar seine Spuren in ihrer Mentalität. Im 19. Jahrhundert unterspülten die Wogen des Antiklerikalismus die Grundfesten des Glaubens und der Kirche. Als Konsequenz wurde 1901 in Frankreich die Mönchsgemeinden abgeschafft; katholische Schulen wurden zu tausenden geschlossen; Nonnen und Mönche wurden aus ihren Klöstern verbannt, führte Scheko an.

Schließlich wurde am 9. Dezember 1905 das Gesetz über die ´Gewissensfreiheit´ und ´freie Kultausübung´ erlassen. Artikel 2 bestimmt, dass die Republik keinen einzigen Kult anerkennt oder finanziert. Dieser Gesetzeserlass von 1905 wurde zu einem Schlüsselmoment der Geschichte Frankreichs und veränderte das Weltbild auf dem europäischen Kontinent des 20. Jahrhunderts, sprach Scheko. Alle Gesetzesakte der Pariser Kommune wurden fast spiegelartig von den russischen Revolutionären wiederholt, wobei sie die Erfahrungen bei der Umsetzung in Frankreich berücksichtigten.

Die Revolution in Frankreich zog sich sehr lange hin mit Pausen über das ganze 19. Jahrhundert. Ihre zerstörerischen Ideen und ´Errungenschaften´ nehmen bis heute auf die eine oder andere Weise Einfluss auf uns und unsere darstellende Kunst, drückte die Wissenschaftlerin ihre Überzeugung aus.

Zum Beispiel wurde 2013 in Sankt Petersburg die Kirche zu Ehren der Fjodorowskaja-Ikone wiedererrichtet, die dem Haus Romanow geweiht wurde. Das Kircheninnere hat sich nicht erhalten, doch war es bekanntermaßen im Stil zu Zeiten Alexander Nevskijs gehalten (1. Hälfte des 13. Jahrhunderts, Anm. v. Ü.). Die Projektanten der heutigen Kirche behaupten, dass es damals keine Ikonostasen im traditionellen Sinne gegeben habe, sondern nur ein niedriges Geländer ohne Ikonen. Das Resultat war ein völlig neuer, in der russischen Kirche noch nie dagewesener Altar, der aus vielen historischen Analogien entstanden ist, die aber in keinem direkten Zusammenhang mit der russischen Tradition stehen.

Alles, was mit Kunst verbunden ist, ist ein Spiegel der Geschehnisse. Durch ihr Prisma kann man verstehen, was in der Gesellschaft abläuft und wo es seinen Anfang hat. In diesem Sinne ist sakrale Kunst besonders bedeutsam, da die Kirche sie mit ihrer Autorität segnet und über sie zu den Menschen predigt. Leider missbrauchen aber einige künstlerische Persönlichkeiten die sakrale Kirchenkunst für eigene, nichtchristliche Zwecke, schloss Scheko ihren Vortrag ab.


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