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University news
Diskussionsrunde zur Priestertheologie an der OGSTU
Im Hauptgebäude der OGSTU fand eine Diskussionsrunde mit dem Thema heutige Probleme der Priestertheologie statt. An der zweitätigen Veranstaltung nahmen Dozenten und Studenten der OGSTU teil.

Erzpriester Nikolaj Jemeljanow, Leiter der Forschungsgruppe Soziologie der Religion und Prorektor der OGSTU, eröffnete die Diskussionsrunde, indem er über die Entstehungsstadien der Priesterschaft im heutigen Russland vortrug. Er stellte den Arbeitsbereich und Besonderheiten einer jeden Lebensetappe eines Priesters vor, analysierte deren größten Hürden und zeigte auf, wie man sie überwinden kann. Ein solches Modell von Lebensetappen und deren Abfolge hilft nicht nur, Probleme vorauszusehen, sondern auch effektiv Lösungen zu finden, merkte Erzpriester Nikolaj an.

Alexander Feofanow, Dozent am Lehrstuhl für Geschichte Ruslands und Archivkunde OGSTU, erzählte über die korporative Identität der christlich-orthodoxen Geistlichkeit im Russischen Reich. Er äußerte seine Meinung über ihre Darstellung in verschiedenen Forschungsarbeiten, insbesondere in solchen, die die damalige Geistlichkeit in Hinsicht auf ihre korporative Identität beleuchten. Julia Belonogowa stellte ihrerseits die Ergebnisse ihrer jahrelangen Forschung zur Sozialgeschichte der geistlichen Gesellschaftsschicht vor, die im Geistliche Gesellschaftsschicht des 19. Jahrhunderts einzusehen sind. Ihrzufolge lässt sich die Entstehung der geistlichen Schicht unterschiedlich datieren. Manche sprechen vom Ende des 17. Jahrhunderts, andere gehen von der Entstehung des Begriffes Gesellschaftsschicht nach unserem heutigen Verständnis aus, was den zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts bedeutet. In jedem Fall liegt aber das Hauptaugenmerk auf den Einrichtungen, die der Geistlichkeit Bildung zukommen ließ und damit auch ihre kulturelle Identität. Gerade die sozialbedingte Bildung erlaubt den Priesterkindern, ihrer gesellschaftliche Rolle, die einerseits über der Welt der Landwirte stand, andererseits aber dem Adel untergeordnet war, gewahr zu werden, merkte Belonogowa an.

Priester Alexej Tschernyj demonstrierte in seinem Vortrag das Bild eines orthodoxen Priesters in der Theologie der Kirchenväter des 18. Jahrhunderts die Entwicklung in der Sichtweise der Gesellschaft auf den orthodoxen Priesters zu Beginn des 18. Jahrhunderts (Beginn der synodalen Epoche), indem er die Schriften Dimitrijs von Rostow und Tychons von Sadonsk verglich. Genau zu diesem Zeitpunkt trennt sich endgültig die Priesterfigur von der Herrschaftsmacht. Im Umgang mit der geistlichen Macht, in der er nun eingeschlossen ist, muss der Priester ein größeres Geschick auf emotionaler Ebene beweisen. Andererseits erlaubt die Entstehung des Aufgeklärten Staates während des 18. Jahrhunderts die Rede von einer Geistlichkeit als soziale Gruppe, die über bestimmte Pflichten und Aufgaben verfügt, fügte er hinzu.

Jewgenij Ljutko, Mitarbeiter des Zentrums für Theologiegeschichte und theologische Bildung OGSTU, betrachtete in seinem Vortrag Politische Legitimation des orthodoxen Priesters in Russland der Neueren Geschichte und die heutige Geistlichkeit die Möglichkeit, die weltanschauliche Vielfältigkeit in der heutigen Geislichkeit mithilfe der imperativen Aussagen über die Geistlichkeit während des Russischen Reiches zu interpretieren. Laut Ljutkos Hypothese kann man anhand der Entwicklung von staatlichen Aussagen über die Priester die weltanschaulichen Strukturen herausarbeiten, die bis heute in der tälichen Praxis der Priester fortwirken.

Am zweiten Tag der Veranstaltung wurden die Ergebnisse in der lateinischen Patristikforschung, die sich mit der Auffassung und der Anwendung der Bischofsmacht beschäftigte, und im Anschluss die der Religionssoziologen vorgestellt.

Sergej Woronzow, Dozent am Lehrstuhl für Religion und religiöse Aspekte der Kultur an der Theologischen Fakultät OGSTU, betrachtete anhand der Werke Isidors von Sevilla das Verhältnis der priesterlichen Gewalt (Autorität auctoritas sacerdotalis) zur Autorität der Schrift (auctoritas Scripturae) und zur persönlichen Autorität. Seine Grundthese besagt, dass die Figur des Priesters im Gegensatz zu anderen öffentlichen nicht zuletzt durch die Heilige Schrift legitimiert wird. So erhalte die Macht der Schrift eine konkrete Gestalt, die sich in gewisser Weise mit der Gesetzesgewalt (auctoritas legis) vergleichen lasse. Im Laufe der Diskussion wurde angemerkt, dass auch das Sakrament der Priesterweihe eine legitimierende Rolle aufweist, die aber ebenfalls mit der Schrift untermauert wird (Isidor zieht Texte heran, in denen der Herr Seine Gebote über die Priester- und Aposteltum ausspricht). Anna Sujewa, Mitarbeiterin an der Forschungsgruppe Soziologie der Religion, widmete sich zwei Priestermodellen: Michel Foucaults und Ignatius´ von Loyola. Nach Michel Foucault sei zu einem gewissen historischen Zeitpunkt ein protestanisches und ein katholisches Priestermodell entstanden. Das Priestertum verfestigte sich erheblich, indem es sich in zwei Typen aufteilte: das kleine, aber in seiner Hierarchie sehr flexible protestantische und das verhärtete, in einer hierarchischen Pyramide organisierte katholische, das zu dieser Zeit einer harten Zentralisierung unterworfen wurde: das Priestertum der Konterreformation, erzählte Sujewa.

Das Erstaunlichste ist, dass der vom hl. Ignatius gegründete Orden faktisch an der Spitze der Konterreformation stand und mit allen Mitteln versuchte, sich den Einflüssen der Reformation entgegenzustellen. Es scheint, dass das Ignatianische Priestertum eher umgekehrt zu einer strengeren Unterwerfung und Wahrung der Priestermacht über die Laien führen sollte, setzte Sujewa fort, doch ist es erkennbar, dass die Methoden, die in den Exercitia Spiritualia beschrieben werden, dazu bestimmt sind, nicht das menschliche Bewusstsein zu programmieren, sondern alle Hindernisse für die geistige Freiheit zu beseitigen. Die ursprünglichen Prinzipien der christlichen Priesterschaft, die Foucault nennt, erlebten im Modell des hl. Ignatius´ unmerkliche, aber wesentliche Veränderungen in der Auffassung vom Wesen des Priestertums.

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