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Die Rede von Priester Alexander Masyrin zum 25. Jubiläum der OGSTU

Am 19. November 2017 feierte die OGSTU ihr 25-jähriges Bestehen. Mit dem Segen des Rektors hielt Priester Alexander Masyrin, Abteilungsleitender für Neueste Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche OGSTU, die Jubiläumsrede, die er dem Konzil der russisch-orthodoxen Kirche von 1917-1918 widmete, an dem der heilige Tychon zum Patriarchen erwählt wurde.

„Vor einhundert Jahren, im schrecklichen Jahr der russischen Katastrophe, ereignete sich ein epochales Ereignis der russisch-orthodoxen Kirche: endlich wurde das langersehnte Konzil einberufen. Die christlich-orthodoxe kaiserliche Gewalt hatte nicht diese Aufgabe erfüllt. Nach zehnjähriger Vorbereitungszeit, als alle notwendigen Vorbereitungen getroffen worden waren, konnte die Kirche nicht das kaiserliche Wohlwollen zur Eröffnung des Konzils erhalten. Erst nach dem Fall der Monarchie stimmte die säkuläre Übergangsregierung der Einberufung zu, weshalb sie übrigens in vielen Kirchenkreisen Unterstützung fand.

Dieses Konzil sollte einerseits Probleme im Kirchenleben lösen, die sich über die zweihundert Jahre, als die russisch-orthodoxe Kirche von einem Synod geleitet wurde, angehäuft hatten. Andererseits sollte es die Position der Kirche gegenüber den revolutionären Ereignissen seiner Zeit formulieren. Darüber hinaus musste ein neues Modell für die Beziehung zwischen Kirche und Staat her, das ganze Verwaltungssystem der Kirche von den Gemeinden bis hin zum obersten Klerus war zu reformieren, und auf die Kirchenspaltungen an den Randgebieten des ehemaligen Kaiserreiches musste reagiert werden. Nicht ohne Verleitungen und Fehlhandlungen entfaltete die russisch-orthodoxe Kirche die wiedererlangte Freiheit, und es bestand die Sorge, dass diese Freiheit ihr zum Verhängnis werden könnte.

Das Konzil vereinte die herausragendsten intellektuellen Größen unter Bischöfen, Priestern und Laien. Sie wurden praktisch von der ganzen orthodoxen Bevölkerung gewählt, wodurch das Konzil nicht nur die gesamte russisch-orthodoxe Hierarchie, sondern auch die ganze orthodoxe Gemeinschaft repräsentierte – zum damaligen Zeitpunkt war das einmalig. Die damalige „konstituierende Versammlung“, die dazu berufen war, zum Sprachrohr des ganzen Volkes zu sein, und mit der so viele Erwartungen verbunden worden waren, erwies sich dem gegenüber als eine Totgeburt. Das Konzil hingegen täuschte die Hoffnungen nicht.

Das Konzil erwies sich als fähig, seine nicht einfachen Aufgaben zu erfüllen. Das Wichtigste, was es erreichte, war, die Kirche vor den kommenden Verfolgungen zu konsolidieren. Es stellte die Institution der regelmäßigen Kirchenversammlungen als oberste kirchliche Gewalt wieder her. Das Konzil erlaubte die Teilnahme von einfachen Priestern und Laien an der Kirchenleitung, womit es ihnen ihre Verantwortung für die Zukunft der Kirche verdeutlichte. Es wertete die Rolle der Frau im Kirchenleben auf. Es führte wirksame Maßnahmen durch, um die Willkür in der Kirchenleitung einzudämmen. Unter diesen war die zielgerichtete Einführung des Wahlprinzips auf allen Ebenen, - auch bei der Besetzung von Bischofsstühlen.

Mit der Wahl des Patriarchen Tychon, kraft dieser das Konzil das Patriarchat wiederherstellte, erhielt die russisch-orthodoxe Kirche einen geistlichen Anführer, der zum Symbol ihrer Einheit wurde, und nicht etwa, wie viele befürchteten, zu einem Despoten oder gar einem Oberhaupt einer Bischofskaste. Die russische Kirche zeigte sich nach dem Konzil von 1917-1918 völlig gestärkt. Ohne das Konzil hätten ihr die Verfolgungen und Unterdrückungen, die mit der neuen gottesfeindlichen Macht über sie herfielen, noch viel größere Mühen bereitet.

Es wäre falsch zu denken, dass sich die Bedeutung des Konzils auf die Wiederherstellung des Moskauer Patriarchats beschränkt hätte. Schon gar nicht wurde es allein zu diesem Zwecke einberufen. Der Rat im Sommer 1917, der das Konzil vorbereitete, sah hierzu nicht einmal eine Notwendigkeit. Auch während des Konzils vertraten viele, nicht nur die künftigen Anhänger der verräterischen „Lebenden Kirche“, diese Meinung. Selbst Mitropolit Arsenij (Stadnizkij), der beinahe zum Patriarchen gewählt worden war, gestand später, dass er gegen die Wiederherstellung des Patriarchats gewesen sei, nicht weil er prinzipiell die Idee verworfen hätte, sondern weil er, sich eingeschlossen, keinen würdigen Kandidaten gesehen hätte.

Doch Gottes Vorsehen zeigte diesen Würdigsten, und zwar einen solchen, der genau für die kommenden, blutigen Ereignisse vonnöten war. Bischof Tychon war weder ein herausragender Kirchengelehrter, noch ein großer Redner, noch eine Führernatur. In der Kandidatenliste standen da glänzendere Namen. Man denke allein an Mitropolit Antonij (Chrapowitzkij), den nichts aus der Fassung bringen konnte und der so sprach, dass niemand gleichmütig bleiben konnte (ob er auch immer überzeugen konnte, war eine andere Frage)! Im Hinblick auf die wachsenden Konflikte, schien es vielen, dass genau er derjenige war, der die Kirche in die kommende Schlacht mit den Gottesfeindlichen führen sollte. Wenn sich die Konzilväter herausgenommen hätten, die letzte Entscheidung dem künftigen Patriarchen selbst zu überlassen, hätte Mitropolit Antonij die meisten Chancen gehabt, gewählt zu werden. Doch das Konzil handelte nicht nach seinem eigenen Willen, es trachtete nach dem Willen Gottes. Und dieser erwies sich als anders.

Das Los fiel nicht auf etwa den kämpferischsten und sprachgewaltigsten, sondern, wie man im Konzil sprach, auf den gutmütigsten Bischof jener Zeit, der sich durch seine erstaunliche Einfachheit und Demut auszeichnete. Mitropolit Arsenij (Stadnizkij) schrieb bald nach der Weihe in seinem Tagebuch: „Im Übrigen, als er von sich als Patriarchen sprach, meinte er ohne jeder Ziererei: ‚Noch vor der Wahl vertrat ich die Meinung, dass der künftige Patriarch keine schillernde Persönlichkeit sein sollte, sondern eine mittelmäßige. So ist es auch geschehen.‘ Eine solche Demut ist geradezu rührend. Nicht jeder hätte das so sagen können.“ Tatsächlich war aber Patriarch Tychon vor seiner Inthronisation alles andere als „mittelmäßig“, - er genoss allgemeine Zuneigung und Respekt. Das zeigte sich schon allein darin, dass er es war, der im Sommer 1917 erst zum Moskauer Mitropoliten und dann zum Vorsitzenden des Konzils gewählt wurde.

Dank seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit konnten selbst diejenigen, die sich gegen eine Patriarchenwahl ausgesprochen hatten, ihn als ihren sie liebenden Vater annehmen. Das beste Beispiel hierfür ist Erzpriester Nikolaj Dobronrawow, der im Konzil am meisten Kritik übte, später aber zum engsten Gefährten Tychons und zu seinem Vikar wurde. Im blutigen Jahre 1937 fand er seinen Tod als Märtyrer.

Nicht weniger von Bedeutung als die Wiederherstellung des Patriarchats ist die Person, die zum Patriarchen gewählt wurde. Der so dringende innerkirchliche Frieden wäre nicht eingekehrt, hätte den Patriarchenthron ein so leidenschaftlicher Mitropolit Antonij bestiegen. Bekanntlich führte er im Späteren die russische Auslandskirche an und tat alles in seiner Macht, um sie in den politischen Kampf zu involvieren. Nicht ganz ohne seinen „Verdienst“ fand sie sich bald in inneren Zwistigkeiten versunken.

Patriarch Tychon hingegen war nicht nur dem Namen nach ein Bischof, sondern zog förmlich alle Menschen an, die wirklich kirchlich waren. Das Konzil, dem er vorstand, vermochte es, nicht zu einer politischen Tribüne zu verkommen. Selbst als es im Herbst 1917 ins Epizentrum von brutalen Kampfhandlungen geriet, ergriff das Konzil keine Partei, sondern rief mit Nachdruck zum Frieden und zur Beendigung des Brudermordes auf.

Gleichzeitig bedeutete die erstaunliche Demut, den der heilige Tychon zeigte, nicht, dass er das Böse, das über das Land fiel, guthieß. Seine Demut galt der Göttlichen Wahrheit, für die er bereit war, bis zum Tode zu stehen, und er rief alle Kinder der Kirche hierzu auf. Der Patriarch und das Konzil prangerten furchtlos die Übeltaten ihrer Zeitgenossen an. Die sich umwerfenden Gewalttaten beantwortete er mit seinem Kirchenbann gegen die „gottlosen Machthaber der Dunkelheit dieser Zeit“, und forderte zur Beendigung von Bluttaten auf. Das Konzil stimmte ihm hierin uneingeschränkt zu.

Trotz der offensichtlich feindseligen Handlungen seitens der Bolschewiken rief das Konzil nicht zur Vergeltung auf. Selbst als die antibolschewistische Bewegung organisiert und bewaffnet wurde, blieben der Patriarch und das Konzil ihrem apolitischen Prinzip treu, was mitnichten bedeutete, dass sie die Verbrechen der neuen Macht nicht verurteilte.

Die Aktivitäten des Konzils erwiesen sich als ein wahrer geistiger Kampf. Schon während der Sitzungen wurde das Blut von Märtyrern vergossen. Das erste Opfer war der Ehrenvorsitzender des Konzils und ältester Bischof zur damaligen Zeit, Mitropolit Wladimir (Bogojavlenskij) von Kiew. Bald darauf wurde Erzbischof Andronik (Nikolskij) von Perm bestialisch ermordet. Willkürliche Machthandlungen und Erschießungen ohne gerichtlichen Urteil wurden für das Konzil zum traurigen Alltag, sodass letztlich die meisten Konzilteilnehmer in der einen oder anderen Form für die Kirche leiden mussten. Zum heutigen Zeitpunkt sind von ihnen etwa fünfzig Personen kanonisiert. Sie wurden zum Kern der Neumärtyrerschar der russisch-orthodoxen Kirche. Diese Fülle an gelebter Heiligkeit ist die größte Frucht des Konzils. Sie besiegte letztlich den Hass der Gottlosen, indem sie der Kirche ermöglichte, die furchtbarsten Verfolgungen zu überstehen und wiederaufzustehen.

Der heilige Tychon nahm einen einmaligen Platz in der mehr als tausendjährigen Geschichte der russischen Kirche ein. Unter ihrer großen Heiligenschar ist er der einzige, dessen Namen die Kirchenherde übernahm. "Tychoner", so wurden alle christlich-orthodoxen Bischöfe, Priester, Mönche und Laien von den Feinden und Verrätern der Kirche verächtlich genannt. „Tychoner“ – das waren Menschen, die nicht dem Zeitgeist hinterhereilten, sich nicht in „Sowjetfarben“ haben „umstreichen" lassen, die nicht in den Dienst der neuen, gottlosen Macht stellten. So war es auch in der Urkirche, als Verächter die Bezeichnung "Christ" prägten. Die Gläubigen aber nahmen mit Freude dieses Wort als ihre geheiligte Selbstbezeichnung auf.

Die Kraft, sein schweres Kreuz zu tragen, nahm Patriarch Tychon aus dem Gebet und aus der Einheit mit dem Volke Gottes, das er durch den Weg des Bekennertums führte. Und die Anhänger der russisch-orthodoxen Kirche, die "Tychoner" zeigten ihm eine Liebe, die zu keiner Zeit ein Hierarch erfuhr. Sein Ableben war ein immenser Verlust für die Kirche, doch sein Beispiel ermutigte das ganze Heer von Neumärtyrern und Bekennern, standhaft zu sein, und deren geistiger Kampf wiederum bewegte Millionen von einfachen Gläubigen, der Orthodoxie treu zu bleiben, wie sehr auch der Feind wüten würde.

Die Geschichte hat auf anschaulicher Weise gezeigt: wenn der russisch-orthodoxen Kirche ein heiliger Patriarch vorsteht, der mit seinen Brüdern, Mitstreitern und der ganzen Herde eins ist, sind gegen sie gerichtete Übeltäten und Ränke völlig kraftlos.

Die "Tychoner" Kirche wurde mit ihren Neumärtyrern gekrönt und hat durch sie eine höhere Stufe des geistigen Wachstums erreicht. Daher ist es "würdig und recht heute zu lobpreisen" denjenigen, mit dessen Namen sie in den Zeiten der Not aufgestiegen ist; denjenigen, "der Gott hat gerühmt in vollkommener Heiligkeit und Liebe!"

24. November 2017

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